Psychotherapie in Wien

Information zu Burnout

Was ist Burnout?

Menschen die von einem Burnout betroffen sind leiden an einem psychischen und körperlichen Erschöpfungszustand. Burnout beschreibt den Zustand des körperlichen und emotionalen Ausgebranntseins, von Kraftlosigkeit, Lustlosigkeit und Müdigkeit. Lang anhaltender Stress, zu hoher Druck und Stress am Arbeitsplatz sowie die damit einhergehende Unfähigkeit in der Freizeit abzuschalten, Angst um den Arbeitsplatz, Mobbing am Arbeitsplatz oder auch Arbeitslosigkeit selbst, können genauso Ursache des Burnout sein, wie mangelnde Anerkennung für die geleistete Arbeit,.

Wer ist gefährdet?

Jeder Mensch kennt es von der Arbeit, dem Haushalt, familiären Verpflichtungen oder auch (zu vielen) Freizeitaktivitäten zu sein. Ein selbst gestecktes Ziel nicht zu erreichen oder mit der eigenen erbrachten Leistung nicht zufrieden zu sein kennen auch die meisten. Auch die Angst, vielleicht bei einer Sache zu versagen, ist kaum jemandem fremd. Ab und an plagen bei der Fülle an Verpflichtungen jeden Schuldgefühle, einer Seite oder eine Sache eventuell nicht gerecht geworden zu sein. Arbeitsumfang, Vielfalt der Aufgaben und Leistungsdruck nehmen in der heutigen Gesellschaft im beruflichen wie auch privaten Bereich stetig zu. Neben diesen erhöhten Leistungsanforderungen begünstigen auch persönliche Aspekte das erkranken an einem Burnout. Besonders gefährdet sind Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus, Helfersyndrom und extremen Ehrgeiz. Ausgebrannt sein können nicht nur Manager, sondern auch Schüler, Studenten, Hausfrauen, Mütter, Arbeitslose oder Rentner. Umso wichtiger wird es für jeden, sich der Gefahr Burnout bewusst zu sein.

Burnout Symptome

Das Symptomenbild des Burnouts wird durch ebenso verschiedene Faktoren bestimmt wie seine Ursachen. Bei Burnout handelt es sich um einen Zustand, der durch körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung geprägt ist. Symptome, welche nur vorübergehend sind, können als normale menschliche Reaktion auf belastende Lebenssituationen gedeutet werden. Treten die Symptome aus den verschiedenen Bereichen aber über längere Zeit auf, spricht man von einem Burnout.  Menschen, die an einem Burnout erkrankt sind haben ihre Kraftreserven aufgebraucht und keine Möglichkeit gefunden, diese in ausreichendem Maße wieder aufzufüllen.

Das Burnout-Syndrom macht sich in verschiedenen Stadien anhand unterschiedlichster Symptome bemerkbar und tritt dabei in vielfältigen Varianten und sehr individuellem Maße auf.

Im Anfangsstadium besteht eher grundlegend ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das kann einhergehen mit gelegentlicher grundloser Angst und beginnenden körperlichen Beschwerden. Erste konkrete Anzeichen einer drohenden oder beginnenden Burnout-Symptomatik können vermehrter Einsatz, nahezu pausenloses Arbeiten, der subjektive Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit, das Gefühl eigentlich nie mehr richtig Zeit für sich zu haben, sein. Betroffene verleugnen zunehmend die eigenen Bedürfnisse und verringern ihre zwischenmenschlichen Kontakte.

Im fortgeschrittenen Stadium kommen häufig Gefühle wie Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit oder auch das Gefühl ausgenutzt oder betrogen worden zu sein hinzu. Die körperlichen Symptome wie z.B. Mattheit und Erschöpfung, Ruhelosigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Ängste aber auch Schlafstörungen, sexuelle Probleme, Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus, Herzrasen, Magenkrämpfe und andere körperliche Gebrechen, nehmen zu.

Bei weiterem Fortschreiten der Symptomatik treten zunehmend Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen oder Misstrauen auf. Betroffene sind sehr schnell erschöpft, mechanisieren ihre Leben so weit wie möglich, ziehen sich zurück und fallen in eine generelle Teilnahmslosigkeit.

Wann gesteht man sich dann ein, dass die Grenze der Belastbarkeit überschritten ist, man selbst zu hohe Erwartungen in eigene Leistungen setzt und nicht alle gesteckten Ziele erreichen kann?

Schaut man sich nun die Symptome von Burnout etwas genauer an, zeigt sich, dass sie einerseits sehr vielschichtig sind, andererseits sich aber erstaunlich einheitlich zeigen. Folgende Liste ist auf keinen Fall als absolut zu betrachten. Einige Symptome schließen sich gegenseitig aus und bei einem Betroffenen müssen nicht alle Symptome vorhanden sein. Die Liste soll jedoch eine Übersicht geben und die Verständlichkeit dieses Erschöpfungssyndroms erhöhen.

Matthias Burisch (2010) beschreibt im Sinne eines integrierenden Burnout-Modells sieben Phasen: 

1. Warnsymptome der Anfangsphase: vermehrtes Engagement für Ziele (Gefühl der Unentbehrlichkeit, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Hyperaktivität, schlechtes Zeit-Management, nicht delegieren können) und gleichzeitiges Gefühl von Erschöpfung (Müdigkeit, Energiemangel, Unausgeschlafenheit);

2. Reduziertes Engagement/Rückzug: im Allgemeinen (Verlust des Einfühlungsvermögens, Zynismus), gegenüber Mitarbeitern, Patienten, Kunden (fehlende positive Einstellung, Meidung von Kontakten), während der Arbeit (negative Einstellung, Widerwillen, Überdruss),  erhöhte Ansprüche (Verlust von Idealismus, Gefühl mangelnder Anerkennung, zunehmende private/familiäre Probleme);

3. Emotionale Reaktionen/Schuldzuweisung: Depression (Stimmungsschwankungen, unbestimmte Angst, Selbstmitleid, Humorlosigkeit, verringerte emotionale Belastbarkeit, innere Leere, Abstumpfung, Apathie) und Aggression (Ärger, Reizbarkeit, Schuldzuweisung bzw. Vorwürfe an andere, Negativismus, Intoleranz, Launenhaftigkeit, häufige Konflikte mit anderen);

4. Abbau von geistiger Leistungsfähigkeit (Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen), Motivation (fehlende Initiative, Dienst nach Vorschrift), Kreativität (verringerte Fantasie) und Wahrnehmung (undifferenziertes Schwarz-Weiß-Denken);

5. Verflachung des emotionalen Lebens (Gleichgültigkeit), des sozialen Lebens (Vermeidung sozialer Kontakte), des geistigen Lebens (Desinteresse, Langeweile, Verzicht auf Hobbys);

6. Psychosomatische Reaktionen: Muskelverspannung, Kopf- und Rückenschmerzen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Engegefühl in der Brust,  Magen-Darm-Störungen, chronischer Schwindel, Schwächung des Immunsystems, Schlafstörungen, veränderte Essgewohnheiten, Sexualstörungen, Missbrauch von Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen, Medikamenten;

7. Verzweiflung: negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeitsgefühle, Selbstmordgedanken.

Burnout Prävention

Burnout Alarmsignale des Körpers wie Erschöpfung, Gereiztheit und innere Leere sollten sehr ernst genommen werden. Um präventiv gegen Burnout vorzugehen ist es jedoch noch wichtiger Warnsignale zu erkennen, die als solche nur sehr schwer wahrgenommen werden können. So können das Gefühl und der Drang ständig effizient sein zu müssen, der Wunsch, auch nach der regulären Arbeitszeit arbeiten zu wollen, Arbeit mit in das Wochenende oder gar mit in den Urlaub zu nehmen genauso erstes Anzeichen Burnout gefährdet zu sein, wie eine besonders negative Einstellung der eigenen Arbeit gegenüber und Motivationslosigkeit.

In dieser frühen Phase des drohenden Burnouts ist Hilfe durch Selbsthilfe vielversprechende Lösung aus der Stressspirale und die richtigen präventiven Maßnahmen können Gefährdete vor dem Burnout bewahren.

Prävention durch Identifizieren von Stressquellen: Bedeutsamen Stressquellen am Arbeitsplatz können möglicherweise anhand von zeitweilig zu führenden Stress- und Belastungstabellen, die Auskunft über Stressauslöser, Stresssituationen, Stresssymptomen, Stressreaktionen, Stressbewältigungsstrategien und ihre Ergebnisse geben sollten, identifiziert werden. Indem man vermerkt und festhält, wie erfolgreich sich der Bewältigungsversuch dargestellt hat, gelingt es manchen Leuten, Verhaltensmuster zu identifizieren, die sich als erfolgreiche Bewältigungsmethoden erwiesen haben; andere müssen feststellen, dass sie sich auf sehr wenig wirksame Bewältigungsstrategien beschränken.

Prävention durch Setzen von Grenzen und Lernen “Nein” zu sagen: Wer Grenzen setzt und Nein sagen kann, beugt dem Burnout vor oder trägt zur Behandlung bei. Eigenen Grenzen kennen und respektieren beinhaltet nicht nur die Durchführung eines adäquaten Zeitmanagement, sondern auch das Erlernen, sich zu wehren, gegen die vielfältigen Anforderungen und Ansprüche, welche einem auferlegt werden.

Prävention durch Zeitmanagement, soziale Unterstützung und durch positives Denken

Prävention durch Zeitmanagement: Zeitmanagement bezeichnet eine möglichst realitätsbezogene Arbeits- und Handlungsplanung. Es ist essenziell, die eigenen Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu ordnen, damit am Ende des Tages nicht das Wichtigste liegen bleibt. In diesem Zusammenhang ist es auch von besonderer Bedeutung, genügend Zeitpuffer einzuplanen. Unabdingbar ist hierbei das Einplanen von privaten Auszeiten beziehungsweise Pausen. Pausen können helfen: Sich in einem hektischen Umfeld zu stabilisieren, Strukturen im Arbeitsalltag zurückzuerobern, Zeit zur Reflexion und damit für gute Ideen zu gewinnen.

Prävention durch soziale Unterstützung: Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Nähe und Gegenseitigkeit. Die Zugehörigkeit zu einem sozialen System und die Anforderungen die sich aus der im System eingenommenen Rolle für jeden Einzelnen ergeben, sind äußerst wichtig im Leben. Für Menschen, die unter dem Burnout leiden, ist soziale Unterstützung besonders wichtig. Es gilt soziale Unterstützung zu finden. Diese kann man in Personen finden, aber auch in Haustieren, dem Musikhören, Kochen, Fernsehen, Gärtnern oder anderen Hobbys. Welche Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und welche neu geschaffen werden können, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Risikofaktoren für Burn-out

Arbeitsbezogen:

  • hohe Belastung (Überlange und schlecht planbare Arbeitszeit, Schichtarbeit, Nacht- und Wochenenddienste, langes Pendeln)
  • wenig Einfluss auf Arbeitsabläufe (Rollenunklarheit, Rollenkonflikte, viele fachliche Kompromisse, wenig Erfahrung)
  • schwierige Kommunikation am Arbeitsplatz (Konflikte, wenig Unterstützung)
  • wenig Gratifikation (Anerkennung, Bezahlung)
  • Sinnverlust in der Arbeit

Sozial:

  • jüngeres Alter
  • Frauen (Mehrfachbelastung)
  • wenig Unterstützung aus sozialem Netz

Persönlich:

  • zusätzlich Belastungen außerhalb der Arbeit
  • wenig Stressresistenz
  • wenig Stressbewältigungskompetenz
  • Perfektionsdruck
  • hohes Anerkennungsbedürfnis

Literatur und Quellenangaben:

Burisch, M. (2010). Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung (4. Aufl.). Heidelberg: Springer.

Hillert, A. (2012). Wie wird Burnout behandelt? Zwischen Wellness, berufsbezogener Stressprävention, Psychotherapie und Gesellschaftskritik. Bundesgesundheitsblatt 55: 190–6.

Hillert, A. (2014). Burnout, was ist das? Persönliche und innerbetriebliche Perspektiven angesichts globaler Entwicklungen. Stuttgart: Schattauer.

Hillert, A, Koch, S, Hedlund, S. (2007) Stressbewältigung am Arbeitsplatz. Ein stationäres Gruppenprogramm. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Kaluza, G. (2004). Stressbewältigung. Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. Berlin: Springer.

Maslach, C., Jackson, S.E., Leiter, M.P. (1996). Maslach Burnout Inventory Manual. 3rd ed. Palo Alto, CA: Consulting Psychologists Press.

Muschalla, N., Linden, M. (2013). Arbeitsplatzbezogene Ängste und Arbeitsplatzphobie. Stuttgart: Kohlhammer.

Rosa, H. (2005). Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstruktur in der Moderne. Frankfurt/Main:

Suhrkamp.